Der verirrte Polarforscher und das Geheimnis im Schnee
von lehrertools am 2026-02-15
Am äußersten Rand der Welt, dort wo selbst das Thermometer bibbert, stapfte der berühmte Polarforscher Professor Knut Eiszapfen durch den endlosen Schnee.
Er war mit seiner neuesten Expedition unterwegs zum sagenumwobenen Nordpol – oder zumindest glaubte er das. Sein Kompass zeigte seit drei Tagen nur noch „Vielleicht“.
Hinter ihm zog er seinen knallroten Schlitten, der beladen war mit:
• fünf Thermoskannen Kakao,
• einem aufblasbaren Pinguin (zur moralischen Unterstützung),
• und einem Buch mit dem Titel „Wie finde ich den Nordpol, wenn er sich versteckt?“
„Es ist ganz einfach“, murmelte Professor Eiszapfen entschlossen. „Man folgt dem Wind, der Kälte – oder seinem Instinkt.“
Leider hatte sein Instinkt seit gestern Schnupfen.
Plötzlich blieb der Schlitten ruckartig stehen. Vor ihm erhob sich ein riesiger, schimmernder Gletscher, der in der tiefstehenden Sonne blau wie ein gefrorener Edelstein glühte.
„Aha!“, rief der Professor. „Ein Hindernis! Das bedeutet, ich bin auf dem richtigen Weg!“
Er klopfte mutig gegen das Eis.
Das Eis klopfte zurück.
Professor Eiszapfen erstarrte.
„Hallo?“ fragte er vorsichtig.
Aus dem Gletscher ertönte eine tiefe, knarzende Stimme:
„Nicht schon wieder ein Polarforscher…“
Der Professor blinzelte. „Sie sprechen?“
„Natürlich“, brummte der Gletscher. „Ich stehe hier seit 12.000 Jahren. Glauben Sie, ich hätte in der Zeit nichts gelernt?“
Der Professor setzte sich auf seinen Schlitten. „Also… wissen Sie zufällig, wo der Nordpol ist?“
Der Gletscher seufzte, was eine kleine Lawine auslöste.
„Alle wollen immer nur zum Nordpol. Kaum einer fragt, wie es mir geht.“
„Wie geht es Ihnen?“
„Ein bisschen zugig.“
Professor Eiszapfen nickte ernst. „Verstehe.“
Da begann der Schnee um ihn herum leise zu wirbeln. Erst sanft, dann immer schneller, bis sich eine kleine Schneewolke bildete. Daraus formte sich – ganz höflich – ein kleiner Schneemann mit Eiskristall-Augen.
„Entschuldigung“, sagte der Schneemann. „Der Nordpol ist heute drei Kilometer weiter nach rechts gerutscht. Er macht das manchmal.“
„Er rutscht?“ fragte der Professor verwirrt.
„Natürlich. Bei dem vielen Schnee!“
Der Professor sprang auf. „Dann muss ich sofort weiter! Eine Expedition wartet nicht!“
Er spannte sich selbst vor seinen Schlitten (die Schlittenhunde hatten Urlaub), winkte dem sprechenden Gletscher und dem höflichen Schneemann zu und stapfte entschlossen weiter.
Nach einer Stunde blieb er wieder stehen.
Vor ihm steckte ein kleines Holzschild im Schnee:
„Willkommen am Nordpol. Bitte nicht betreten – frisch gewischt.“
Professor Eiszapfen lächelte glücklich.
„Ich wusste doch, dass mein Instinkt funktioniert!“
In diesem Moment rutschte das Schild leise ein Stück zur Seite.
Der Nordpol war offenbar wirklich beweglich.
Aber das machte nichts.
Denn was wäre eine Expedition ohne ein kleines bisschen Verrücktheit?
Und so saß Professor Eiszapfen später auf seinem Schlitten, trank Kakao im ewigen Schnee und beschloss:
Der Nordpol darf ruhig wandern.
Hauptsache, man findet unterwegs gute Geschichten.
Und vielleicht einen sprechenden Gletscher.
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